Freitag, 9.7.2021 um 19:00 Uhr, Robert-Havemann-Saal im Haus der Demokratie und Menschenrechte, Greifswalder Str. 4  (Strassenbahn hält vor Haus) - Berlin-Mitte
Vorträge und Diskussion
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Thema: 1870/71: Die Communes in Lyon und Marseille
Nicht nur in Paris, auch in den Städten Lyon und Marseille fanden im Zuge des preußisch-französischen Krieges und der temporären Niederlage der frz. Truppen revolutionäre Entwicklungen statt.
In Lyon wurden am 4. September 1870 zum ersten Mal in Frankreich die Abschaffung des Königreichs und die Republik proklamiert. In Lyon kam es
in der Folge zu zwei revolutionären Commune-Versuchen.
Beide Städte waren organisatorische Schwerpunkte der bakunistischen Sektion der I. Arbeiter-Internationale (1864-72). In Marseille kam es
ebenfalls zu zwei Commune-Versuchen, der erste 1870 dauerte drei Tage, der zweite 1871 dreizehn Tage. Es gab Besetzungen und auch Gegensätze
zwischen besetztem Rathaus und besetzter, vormals zentralstaatlicher Verwaltung (Präfektur).
Neben Barrikadenkämpfen mit der Armee, die durchgängig verloren gingen, kam es auch zu ersten Streiks, in Lyon der Seidenweber*innen und
Textilarbeiter*innen, in Marseille der Bergbau- und Hafenarbeiter. Im Vortrag wird auch über die Frauenbeteiligung berichtet. Bakunin wurde in
Lyon verhaftet, befreit und flüchtete nach Marseille, wo er 1870 sein Hauptwerk „Das knutogermanische Kaiserreich und die soziale Revolution"
schrieb.
 
Dr. Maurice Schuhmann (Anarchismusforscher, Berlin)
Thema: Le temps des cerises -- Die Pariser Commune im Spiegel der anarchistischen Rezeptionsgeschichte
Die nur kurzlebige Pariser Commune gilt als ein Meilenstein in der (europäischen) Geschichte von Revolutionen und Aufständen. In einem nur
sehr kurzem Zeitraum wurde versucht, politische und soziale Utopien in der Realität konkret umzusetzen. Das Erbe jenes sozialen Experimentes
wird von unterschiedlichen politischen Strömungen für sich reklamiert – sei es vom Anarchismus (namentlich von Michael Bakunin), Staatskommunismus marxistischer Prägung, deren Begründer eine Verwirklichung der, von ihnen postulierten Diktatur des Proletariats darin zu erblicken glaubten, aber auch von staatlicher Seite.
Anlässlich des 140. Geburtstages der Commune wurden z.B. die Kommunard*innen als wichtige Vorkämpfer*innen der Demokratie gewürdigt
und man zeigte im Rathaus des V. Arrondissements, welches diese einst in Brand gesetzt hatten, eine Austtellung zu ihren Ehren. Vor diesem
Hintergrund wird das Organisationsmodell der Commune vorgestellt und die anarchistische Rezeption – ausgehend von Bakunin hin zu neueren Adoptionen wie z.B. durch den libertären Kommunalismus von Murray Bookchin und Janet Biehl diskutiert.
Die Anzahl der Teilnehmenden ist auf 20 Personen begrenzt. Die Anmeldung zur Veranstaltung bis 08.07. ist Voraussetzung für eine Teilnahme.
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