Fonds Soziokultur vergibt rund 560.000 € Projektförderung für das zweite Halbjahr 2020

48 Projekte aus ganz Deutschland hat das Kuratorium des Fonds Soziokultur Ende Juni für die Förderung mit Projektstart im 2. Halbjahr 2020 ausgewählt. Mit insgesamt 370 Anträgen und einem Antragsvolumen von rd. 5 Millionen Euro ist die Anzahl innovativer Projektideen sowie der Bedarf an entsprechender Förderung gleichbleibend hoch. Die Qualität der Anträge zeigt deutlich: Kulturakteur*innen scheuen weder brisante Inhalte noch innovative Methoden, um Menschen in unterschiedlichen Regionen die Möglichkeit zu bieten, sich in Zeiten der Pandemie künstlerisch vielfältig mit gesellschaftlichen Entwicklungen auseinanderzusetzen. ■ ■ ■

13 der geförderten Projekte werden von Jungen Kulturinitiativen verantwortet, in denen sich 18- bis 25-Jährige mit brisanten/aktuellen Themen wie Fake-News, Radikalismus im Netz oder Gewalterfahrungen von Kindern und Jugendlichen auseinandersetzen. Im Bereich der „allgemeinen Projektförderung“ sind neben vielen anderen ein intergeneratives Projekt zur Geschichte der Wiedervereinigung (Gesellschaft für Gemeinsinn / Leipzig), ein zeitgenössisches Kunstprojekt auf Initiative einer Dorfgemeinschaft (Exkurs Zwischenraum e.V. Thallwiz, Sachsen) und eine Performance zur Sorge um den Tod geplant. Corona hat dabei sowohl neue Projektthemen als auch -Formate hervorgebracht. Die Projekte fragen danach, wie die Krise einzelne, auch junge Menschen beschäftigt und wie Projektarbeit methodisch neu gedacht werden kann: Mit „UNSER DING! Eine digital-terrestrische Skulptur“ aus Ulm setzen sich 17 Vereine und Initiativen mit den 17 Nachhaltigkeitszielen der UN auseinander - auf einer interaktiven, digitalen Plattform, die ins Analoge übertragen werden soll. ■ ■ ■

„Schon die Antragslage im Corona-Ad-hoc-Programm „Inter-Aktion“ im Mai war quantitativ wie qualitativ beeindruckend. Ideenreichtum und Widerständigkeit der Projektträger*innen haben auch im Sommer trotz andauernder Krise nicht an Dynamik verloren. Dieses herausragende soziokulturelle Engagement gilt es politisch und finanziell noch mehr zu würdigen. Denn Potential ist vorhanden: an gesellschaftsrelevanten Konzepten und Expert*innen mangelt es nicht!“, so die Vorsitzende des Kuratoriums Ulrike Münter nach der Vergabesitzung. ■ ■ ■

Mit der Ausschreibung der Fördermittel war ein offenes Leitthema verbunden. Der Fonds Soziokultur regt mit seinen Themenausschreibungen die Auseinandersetzung mit aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen an. Gesucht wurden Projekte zum Thema „Nachhaltigkeit“, die sich kritisch mit dem Klimawandel und mit dem Umgang mit Ressourcen auseinandersetzen. Diese Themenprojekte können einen mit 10.000 € dotierten Innovationspreis gewinnen. Das Kuratorium hat neun Projekte nominiert, die Auslobung erfolgt voraussichtlich Ende 2021/Anfang 2022. ■ ■ ■

Der Fonds Soziokultur erhält jährlich 2 Millionen Euro Projektmittel für die Förderung der soziokulturellen Projektarbeit in Deutschland. Er wird gefördert durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien – BKM.

Die geförderten Projekte sowie nähere Infos unter www.fonds-soziokultur.de

Fonds Soziokultur
● Weberstr. 59 a, 53113 Bonn
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Wir – Menschen, die seit langem in unterschiedlichen alternativökonomischen Bewegungen aktiv sind: zu Commons, Solidarischer Ökonomie, Degrowth, Gemeinwohl-Ökonomie, Tauschlogikfreiheit, kollaborativer und kokreativer Ökonomie – haben uns im Netzwerk Ökonomischer Wandel zusammengeschlossen, um in Vielfalt zu vertreten, was uns eint: eine zukunftsfähige Alternative zur gegenwärtigen Wirtschaftsordnung. Auch wenn sich unsere Perspektiven und Vorschläge im Detail unterscheiden, überwiegen grundlegende Gemeinsamkeiten. Zusammen führen sie zum Ziel: einer solidarischen, ökologischen und demokratischen Wirtschaftsweise. Wir sehen nicht Geld, Kapital und Wachstum, sondern Menschen und Natur im Zentrum des ökonomischen Handelns. 
 
Das jetzige Wirtschaftssystem spaltet die Gesellschaft, schafft extreme Ungleichheit und gefährdet so die Demokratie. Es trennt uns von der Natur und zerstört unsere Lebensgrundlagen – und damit seine eigene Basis. Es entfremdet uns sowohl von anderen Menschen als auch von unseren eigenen Bedürfnissen. Es lenkt zu viel unserer Lebensenergie in sinnlose Arbeit, während gleichzeitig viele sinnvolle Tätigkeiten unerledigt oder ungesehen bleiben. Wir kündigen der Konkurrenz und dem Zwang, immer weiter zu wachsen. Wir streben nach einem guten Leben für alle.

https://www.netzwerk-oekonomischer-wandel.org/

zur Lage der Bürger- und Menschenrechte in Deutschland 
“… Seit 1997 erscheint rund um den Verfassungstag am 23. Mai der “Grundrechte-Report: Zur Lage der Bürger- und Menschenrechte in Deutschland”. Am Dienstag, den 2. Juni 2020, haben zehn deutsche Bürger- und Menschenrechtsorganisationen in Berlin und online der Öffentlichkeit die neue Ausgabe des “Alternativen Verfassungsschutzberichts” vorgestellt. Die 39 Einzelbeiträge des Reports widmen sich aktuellen Gefährdungen der Grundrechte und zentraler Verfassungsprinzipien, aber auch einzelnen grundrechtlichen Fortschritten, anhand konkreter Fälle aus dem vergangenen Jahr. Untersucht werden Entscheidungen von Parlamenten, Behörden und Gerichten, aber auch von Privatunternehmen. Die Autor*innen des diesjährigen Reports analysieren so unterschiedliche Themen wie die Einführung der erweiterten DNA-Analyse im Strafprozessrecht, die Gefährdung von Umwelt und Gesundheit durch die Nitratbelastung des Grundwassers, den Einsatz von Elektroschockwaffen im Polizeistreifendienst oder die Ausweitung der Abschiebehaft. Der Pianist Igor Levit, der auch für sein menschenrechtliches Engagement etwa gegen Rassismus und Antisemitismus bekannt ist, präsentierte in diesem Jahr den Grundrechte-Report. Für Levit steht die Gesellschaft vor bislang unbekannten Herausforderungen: “Die Verteidigung und der Ausbau der Grund- und Bürgerrechte und die darauf aufbauende Gestaltung einer solidarischen Gemeinschaft müssen deshalb oberste Priorität von uns allen sein. Die Fragen nach Solidarität, Miteinander, Füreinander – sie sind aktueller denn je.”…” Pressemitteilung der Redaktion Grundrechte-Report vom 2. Juni 2020 bei der Humanistischen Union 
Der Grundrechte-Report erschien im Fischer Taschenbuch Verlag zum Preis von 12 Euro, 238 Seiten – siehe und bestelle: http://www.grundrechte-report.de/2020/

Maroc Wirbel/Nils Stüben: Weimarer Verhältnisse? Wieviel NSDAP steckt in der AfD?

Maroc Wirbel/Nils Stüben: Weimarer Verhältnisse? Wieviel NSDAP steckt in der AfD?

Marco Wirbel/Nils Stüben
Weimarer Verhältnisse
Wieviel NSDAP steckt in der AfD? Soziale Arbeit muss Stellung beziehen , mnuss Haltung zeigen
ISBN 978-3-945959-47-3 I  2020 I 149 Seiten I  18,00 €

Die Rückkehr des Nationalismus und die Erfolge der Rechtspopulisten haben eine Debatte über die Grundlagen und Gefährdungen unserer Demokratie in Gang gesetzt. Historische Errungenschaften – wie der Parla mentarismus, die Gewaltenteilung und die  echtsstaatlichkeit – werden aktuell von einem Teil der Bevölkerung in Zweifel gezogen. Was können wir aus der Weimarer Zeit für die Gegenwart lernen? Ist die AfD eine moderne NSDAP?
Der Band macht klar, dass wir heute zwar nicht in „Weimarer Verhältnissen“ leben, aber Weimar heute zu recht wieder im Fokus der Öffentlichkeitsteht. In einer Zeit, in der Fake-News gesellschaftsfähig sind, ist das intensive Reden über politische Inhalte von essentieller Bedeutung. Eine wahrhafte Kommunikation und eine nach Aufklärung strebende Haltung sind gefordert. Weimar lehrt, dass eine Demokratie handlungsfähig sein muss und nicht zu lange mit Problemlösungen warten darf. Eine Demokratie scheitert nicht durch Gegenwind, sondern aufgrund mangelndem Rückenwind. Unsere Geschichte sollte uns deswegen zur kollektiven
Wachsamkeit mahnen.
Wie kann die Soziale Arbeit dem entgegenwirken? In Krisensituationen laufen drei  Bewältigungsimpulse aufeinander zu. Neben dem Verlangen nach dem stabilen Selbstwert und der sozialen Anerkennung, möchte der Mensch auch seine Handlungen kontrollieren und so das Gefühl bekommen, etwas erreichen zu können (Selbstwirksamkeit).

 

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Am kommenden Mittwoch startet die Attac-AG „Genug für alle“ eine Reihe von Webinaren, die vorläufig immer mittwochs von 18 bis 19 Uhr angeboten
werden. Integriert in diese Reihe werden Gesprächsrunden um den Aufruf „Es ist höchste Zeit“ sein.
** Im ersten Webinar wird es darum gehen, welche Kriterien erfüllt sein müssen, damit von einem „bedingungslosen Grundeinkommen“ (BGE)
gesprochen werden kann.
* Die Einwahldaten finden sich auf https://www.grundeinkommen-attac.de.
* Vorankündigung: 17. Juni: „Grundeinkommen im südlichen Afrika“

Die Attac-Sommerakademie wird coronabedingt vom 14. bis zum 19. Juli 2020 als Webinar-Angebot stattfinden. Dazu hat die Vorbereitungsgruppe
zwölf von insgesamt fast 60 eingereichten Seminaren und Workshops ausgewählt. Darin geht es um Klimagerechtigkeit und Feminismus,
digitalen Kapitalismus und Netzpolitik, kritische Theorie und Gegenwartsdiagnose, die Verkehrskampagne „einfach umsteigen“,
feministische Ökonomiekritik, Welthandel, Wohnen als Gemeingut, Gesundheitswesen, Flüchtlingspolitik, solidarisches Wirtschaften,
Finanzierung der sozial-ökologischen Transformation und Arbeit und Kapitalismus.
** „System Change! Aber wie?“
Die Zeit drängt. Das politische Zeitfenster und die Notwendigkeit zu handeln ist jetzt und hier. Covid-19 zeigt uns, wie zuletzt die Krise
2008/09, wie instabil und verwundbar das globalisierte Wirtschaftssystem ist. Schon wieder muss der Kapitalismus gerettet werden. Wir fragen uns:
Wieso probieren wir nicht mal was Anderes?
** Das vorläufige Programm findet Ihr auf https://attac.de/sommerakademie

„... In einer Endlosschleife läuft die Durchsage über dieAußenlautsprecher: „Gehen Sie nach Hause. Ab 20 Uhr heute Abend darf niemand mehr auf der Straße sein.“ Es ist die erste nächtliche Ausgangssperre New York Citys seit dem Jahr 1943. Damals galt die Ausgangssperre nur in Harlem – dieses Mal gilt sie in der ganzen Stadt. Beide Male waren der Anlass Unruhen nach Polizeigewalt gegen einen schwarzen Mann. An diesem Dienstagabend verbarrikadiert sich das  einstige Zentrum der afroamerikanischen Kultur gegen die befürchteten Zerstörungen. Weiter südlich in Midtown und in Downtown haben viele Geschäfte dies schon vor einigen Tagen getan. Hier waren ein paar Läden ausgeplündert worden. Wie auch in anderen Städten quer durch das Land – von Philadelphia über Washington und Chicago bis nach Los Angeles – sollen die Menschen ihre Wohnungen nicht verlassen. Da sind sich der Bürgermeister der Stadt, Bill de Blasio, und der Gouverneur des Bundesstaates New York, Andrew Cuomo, ausnahmsweise einig. Sie haben gemeinsam die Ausgangssperre angeordnet. Sie soll Plünderungen verhindern und zunächst bis Sonntag gelten. (...) „No justice, no peace“ – Ohne Gerechtigkeit kein Frieden – skandieren Zigtausende  
Menschen am Dienstagabend an zahlreichen Orten Manhattans und Brooklyns. Ein anderer Singsang aus den Menschenmengen lautet: „Sagt seinen Namen“ und die Antwort: „George Floyd“. Binnen acht Tagen ist der 46-jährige Afroamerikaner, den ein Polizist am 25. Mai in Minneapolis getötet hat, eine nationale Figur geworden...“ – aus dem Beitrag „„Gehen Sie nach Hause““ von Dorothea Hahn am 03. Juni 2020 in der taz online über die – vergebliche – Ausgangssperre der Amtsträger der Demokratischen Partei in New York. Über den ungebrochen wachsenden Protest – gegen Trumps Rassismus und auch gegen Vertreter der Demokratischen Partei (in bundesdeutschen Medien eher selten ein Thema) sowie Wirkungen und Hintergründen eine weitere aktuelle  
Materialsammlung (und die Verweise auf unsere bisherigen)
https://www.labournet.de/?p=173537

Aufruf #SoGehtSolidarisch 14. Juni 2020 #unteilbar durch die Krise

Die Pandemie trifft uns alle, doch bei Weitem nicht alle gleich. Was vorher ungerecht war, wird in der Krise noch ungerechter: Weltweit sind immer mehr Menschen in ihrer Existenz bedroht und haben keinen Zugang zur Gesundheitsversorgung. Die Milliarden aus den ersten Konjunkturprogrammen kommen vor allem Unternehmen zugute. Jetzt muss dringend in den Klimaschutz, ins Gesundheitssystem und den Kultur- und Bildungsbereich investiert werden.
Gleichzeitig werden Rassismus, Antisemitismus und Verschwörungserzählungen gesellschaftsfähiger und bedrohen unser Zusammenleben. Dem stellen wir uns entschieden entgegen. So darf es nicht weitergehen!
Viele von uns drohen zurückzubleiben: Menschen ohne sichere Arbeit, die ihre Miete nicht mehr zahlen können oder kein Zuhause haben; geflüchtete Menschen, die in Gemeinschaftsunterkünften leben müssen oder an den europäischen Außengrenzen entrechtet werden; Menschen, die von Rassismus,  Antisemitismus und Diskriminierung betroffen sind oder gar Opfer rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt werden; Angehörige von Risikogruppen, Betroffene von häuslicher Gewalt und Schulkinder, die abgehängt werden.
Dabei sind es vor allem Frauen, die in der Pflege, im Einzelhandel und bei der Kinderbetreuung die Umsetzung der Schutzmaßnahmen erst möglich
machen.
Für eine solidarische Gesellschaft
Jetzt wird entschieden, wer die Kosten der globalen Krise trägt, wer danach stärker wird und wer schwächer. Jetzt wird entschieden, ob wir es
schaffen, uns gemeinsam auf den Weg in eine antirassistische, soziale und klimagerechte Gesellschaft zu machen – für ein besseres Leben für
alle. Auch in der Krise zeigen wir, dass es solidarisch geht – wir lassen uns nicht gegeneinander ausspielen.
Wir fordern:

    Bessere Arbeitsbedingungen und gute Löhne für alle. Gleiche Rechte und Schutzbedingungen für migrantische Arbeiter*innen
    Geschlechtergerechte Verteilung von Sorgearbeit
    Kostenlose Gesundheitsversorgung für alle und Rücknahme der Privatisierungen
    Sicherer und guter Wohnraum für alle: Unabhängig von Geldbeutel und Aufenthaltsstatus
    Demokratisierung der Wirtschaft und mehr Mitbestimmung in den Betrieben
    Eine Steuerpolitik, bei der die wirtschaftlich Starken und Vermögenden die Kosten der Krise tragen
    Sozial und ökologisch gerechte Konjunkturprogramme
    Schuldenerlasse und Unterstützung der von der Krise besonders hart getroffenen Länder
    Für das Recht auf Schutz und Asyl – Auflösung menschenrechtswidriger Unterbringungen – Aufnahme der Geflüchteten aus den griechischen Lagern jetzt – Solidarität kennt keine Grenzen!
    Menschenrechte müssen weltweit der Maßstab für die Bewältigung der Krise sein
    Einen gesellschaftlichen Pakt gegen Rassismus, Antisemitismus und Rechtsterrorismus

#SoGehtSolidarisch

Am Sonntag, den 14. Juni 2020, um 14 Uhr werden wir
verantwortungsbewusst und mit Abstand demonstrieren. Auf der Straße und
im Netz zeigen wir:
#SoGehtSolidarisch!
online hier:
https://www.unteilbar.org/sogehtsolidarisch/

Mehr als 42.000 Menschen leben in überfüllten Flüchtlingslagern auf den griechischen Inseln. Sie können weder Abstand halten noch sich die Hände waschen. Wenn sie nicht von anderen europäischen Ländern aufgenommen werden, droht massenhaftes Sterben. Anfang April gingen in Berlin und anderswo Menschen allein und zu zweit auf die Straße und setzten Zeichen der Solidarität.

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Ein Notplenum nach dem andern findet aktuell in der Berliner »Regenbogenfabrik« statt. Das Kollektiv mit seinen 29 Beschäftigten musste die meisten Bereiche seines Betriebes dichtmachen. Die Kantine, die vor allem Kindertagesstätten beliefert hat, das Kino, der Veranstaltungsbereich und die Kita mussten nach Vorgaben des Senats diese Woche ganz geschlossen werden. Das Hostel, das vom Kollektiv betrieben wird, bekommt bereits seit zwei Wochen nur noch Absagen. Einzig die Selbsthilfe-Fahrradwerkstatt bleibt geöffnet. Doch Einkommen generiert der Kollektivbetrieb damit nicht. Große Rücklagen sind auch nicht vorhanden. »Das ist die schwerste Krise für das Kollektiv seit das Haus abgerissen werden sollte«, sagt Andy Wolff, langjährig Aktiver in der »Regenbogenfabrik«, dem »nd«.

Ähnlich ergeht es aktuell dem »SO36«, dem bekanntesten Konzertveranstalter in Kreuzberg, einem gemeinnützigen Verein mit kollektiver Struktur. Aufgrund der Schließung kommt kein Geld mehr herein. Die Kosten laufen aber weiter. »Wir achten darauf, Minijobs zu vermeiden und sozialversicherungspflichtige Verträge zu schließen. Dadurch haben wir aber auch hohe Personalkosten«, erklärt Nanette Fleig, Sprecherin des »SO36«, die Situation. »Und wir haben noch Glück. Wir konnten mit unseren Vermietern vereinbaren, die Miete zu stunden. Das können andere Kultureinrichtungen in Berlin nicht«, so Fleig weiter. Besonders enttäuscht sei sie aber von einigen Besuchern, die das Geld für Konzertkarten unmittelbar zurückforderten und nicht bereit seien, auf Ersatzkonzerte nach der Schließzeit zu warten.

Wie auch die »Regenbogenfabrik« beantragen sie Kurzarbeitergeld für alle, die einen Arbeitsvertrag im »SO36« haben. Dabei seien sie normalerweise nicht unbedingt die ersten, die staatliche Hilfen in Anspruch nähmen, doch jetzt gehe es nicht anders, erklärt Fleig. Außerdem wolle man versuchen, Kredite aufzunehmen, um die Schließzeit des »SO36« zu überbrücken. Doch das ist gar nicht so einfach, weiß auch Wolff von der »Regenbogenfabrik«. »Wir versuchen seit zwei Tagen unsere Bank zu erreichen, aber da geht niemand mehr ans Telefon«, sagt er dem »nd«.

Dabei galten Kollektivbetriebe und Genossenschaften in der Wirtschaftskrise 2008 noch als besonders krisenresistent. Die Fähigkeit, Krisen zu überstehen, sieht die Expertin für solidarische Ökonomie, Elisabeth Voß, trotz der aktuellen Probleme weiterhin gegeben. »In der aktuellen Coronakrise haben Kollektivbetriebe tendenziell bessere Überlebenschancen als andere Kleinbetriebe. Das solidarische Miteinander im Inneren sowie ihr soziales Umfeld kann viele Engpässe abfedern«, erläutert Voß. »Dies ist jedoch kein Automatismus, die Voraussetzung ist, dass eine Gruppe gut miteinander funktioniert«, warnt sie.

»In der ›Regenbogenfabrik‹ beteiligen sich so viele an den Plena wie schon lange nicht mehr«, freut sich Andy Wolff über die rege Anteilnahme. Doch wie lange kann man sich noch treffen? Mit dem Voranschreiten der Krise und angesichts möglicher Ausgangssperren könnte es schwer für das Kollektiv werden. »Wir funktionieren sehr alt. In unserem Kollektiv gibt es einige Verweigerer von Handys, Messengern wie Whatsapp – oder sie haben einfach keinen Computer zu Hause.«

Die Solidarität des Umfeldes gibt es. Das »about blank«, ein Clubkollektiv im benachbarten Friedrichshain, konnte in nur einem Tag mit einer Crowdfunding Kampagne auf der Plattform start next »what ever you take – rettet die Blankies« mehr als 38 000 Euro an Spenden einsammeln. Auch die Clubcomission und das Bündnis Reclaim Club Culture haben eine Spendenkampagne gestartet. »Bei uns ist eine Spende von 1000 Euro eingegangen. Eine Spenderin hat angeboten, die möglichen Einnahmen einer Veranstaltung zu spenden«, berichtet Wolff von der »Regenbogenfabrik«. Das helfe real und sei auch einfach eine moralische Unterstützung, meint er.

Andy Wolff ist sich mit Nanette Fleig vom »SO36« einig, dass Kredite eine Bürde für die Zukunft darstellen. »Denn was wäre das für eine schwere Hypothek, wenn wir nach der Schließzeit mit 150 000 Euro Schulden oder mehr dastehen?«, bringt Fleig ihre Sorgen zum Ausdruck. Besorgt ist sie aber auch über die betriebliche Situation hinaus. Sie fragt sich vor allem, was nach der Krise noch von den Bürgerrechten übrig geblieben sein wird.

Beitrag von Ulrike Kumpe im Neuen Deutschland 18.03.2020 (print 20.02.2020).

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