Mikrokredite für Genossen

Mikrokredite kennt man aus sogenannten Entwicklungsländern. Der „Banker der Armen“ und Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus hat sie bekannt gemacht. Mikrokredite sind ein bewährtes Mittel zur Armutsbekämpfung in den Ländern des Südens. Wer keine Chance auf Geld hat, kann sich mit Hilfe kleiner Darlehen eine eigene Existenz aufbauen.

Aber Mikrokredite für Menschen in Dortmund? Das funktioniert auch und zwar mit Hilfe einer Genossenschaft. Die Nordhand eG ist eine von der kommunalen Wirtschaftsförderung initiierte Initiative. Zuhause ist sie im Nordteil der Stadt. Hier, wo Borussia Dortmund gegründet wurde und die Stahlwerker früher bei Hoesch arbeiteten, wohnen heute viele Migranten. Die Arbeitslosenquote ist hoch. Es ist ein lebenswertes, lebendiges Viertel, findet Frank Lunke, einer der Vorstände der Nordhand eG. Er und sein Kollege Detlef Thomy haben ihr Büro im Herzen der Dortmunder Nordstadt und bauen die noch junge Genossenschaft auf.
Die Nordhand eG will kleine Unternehmer generell stärken, vernetzen und unterstützen. Doch vor allem das Angebot der Mikrofinanzierung hat für Aufsehen gesorgt. Wer mindestens einen Geschäftsanteil von 50 Euro erwirbt, gehört zur Genossenschaft. Einen Mikrokredit kann beantragen, wer als Kleinunternehmer in einer vorübergehend schwierigen Lage ist, einen Auftrag nicht ohne Vorfinanzierung bekommen würde oder eine überzeugende Geschäftsidee umsetzen will.
„Für Banken sind Kleinkredite nicht attraktiv. Wenn ein ausgebildeter Banker zwei Stunden damit beschäftigt ist, einen Kunden zu beraten, obwohl das nur geringe Erträge bringt, lohnt es sich nicht“, sagt Detlef Thomy. „Das wollen wir auffangen.“ Die Vorhaben, die gefördert werden, müssen natürlich fundiert sein und auf einem soliden Plan beruhen. Das prüfen Lunke und Thomy, bevor sie eine Empfehlung für einen Kandidaten aussprechen. Dann gibt es in der Regel schnell Geld. Die Mikrofinanzierung selbst läuft über die GLS-Bank Bochum. Die Genossen verlangen nur einen Bruchteil der Sicherheiten, die eine Bank fordert: Das Mitglied sollte 25 Prozent des Kreditvolumens als Sicherheit angezahlt haben. Diesen Anteil kann man auch nach und nach ansparen.

Eine der ersten Kreditnehmerinnen war die Frisörmeisterin Marion Breß. Viele ihrer Kunden kennt sie schon seit ihrer Kindheit, sie ist am Dortmunder Borsigplatz aufgewachsen. Zwei Mitarbeiterinnen hat sie, und der kleine Salon wirft eigentlich genug ab, um sie und ihre zwei Kinder zu ernähren. Doch mit der Trennung von ihrem Mann stand sie plötzlich vor einem Schuldenberg. Die Bank winkte ab, das Aus der Selbstständigkeit schien besiegelt. Dann hörte sie, dass eine neue Genossenschaft gegründet werden sollte, die Unternehmern in Schwierigkeiten mit kleinen Krediten zu fairen Konditionen weiterhelfen sollte. Auch Beratung und gegenseitige Unterstützung sollte es geben. Marion Breß wurde Gründungsmitglied und Genossin der Nordhand eG. Ihren Laden gibt es immer noch. „Nicht allein zu sein, wenn das Geschäft läuft, aber das Geld nicht zum Leben reicht, das war ein gutes Gefühl“, sagt sie.
Gastwirte, Werkstattbesitzer, Handwerker und Änderungsschneider: Viele Branchen in Dortmund scheinen Bedarf und Interesse zu haben. Die Antragsteller sind je zur Hälfte männlich und weiblich, der Migrantenanteil liegt bei einem Drittel. Die Genossenschaft basiert wie die Vorbilder aus den Ländern des Südens auf Vertrauen: Man kennt sich, bei Schwierigkeiten kann man miteinander reden, und mit der Rückzahlung der Raten macht die eG fast immer sehr gute Erfahrungen.

www.nordhand.com

 aus: Aktion Mensch Das Magazin 2.2009

 


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