1978 herrschte Aufbruchstimmung beim „Tunix-Kongress“. 15000 „Spontis“ kamen in Berlin zusammen. Für die Politik, die Erziehung, die Energieversorgung, die Wirtschaft – für die ganze Republik wollten sie alternative Modelle entwickeln. Eine neue, unabhängige Tageszeitung gehörte für die „Undogmatische Linke“ dazu. Sie sollte ein Gegenentwurf zur „bürgerlichen Presse“ sein. Vor allem die jungen Studenten sorgten dafür, dass das „Projekt Tageszeitung“ konkrete Formen annahm und die taz am 17. April 1979 zum ersten Mal erscheinen konnte.
Seit seiner Gründung ist das Blatt nicht nur für seine links-alternative Ausrichtung bekannt. Der anfangs „selbstverwaltete Betrieb“ mit basisdemokratischen Entscheidungsstrukturen schien auch immer so gut wie bankrott zu sein. Bis heute hat die Zeitung vergleichsweise wenig Anzeigen, und in den Anfangsjahren zahlten Abonnenten gleich ein Jahr im Voraus, um die Existenz der taz zu sichern. Nach dem Fall der Mauer blieben jedoch auch noch die steuerlichen Vergünstigungen für die geteilte Stadt („Berlin-Förderung“) aus. Es wurde wirtschaftlich immer schwieriger, trotz des damals niedrigen Einheitslohns für alle Mitarbeiter.
Die Mehrheit der Redaktionsmitglieder wollte deshalb mit einem Investor über eine mögliche Übernahme sprechen. Die Verlagsmitglieder dagegen wollten die Unabhängigkeit der taz bewahren. Bis 1991 war die Zeitung vom Verein „Freunde der alternativen Tageszeitung“ getragen worden. Dass die taz schließlich eine Genossenschaft wurde, hat sie dem Zentralverband deutscher Genossenschaften und ihrem damaligen Syndikus Olaf Scholz, dem heutigen Bundesminister für Arbeit, zu verdanken. Der kam auf die Zeitung zu und schlug ihr eine Beratung zur Genossenschaftsgründung vor.

Anfangs war das nicht unumstritten bei den Mitarbeitern. „Kauft die taz, bevor es ein anderer tut“ hielten die Befürworter dagegen. Die Zeitung war ursprünglich mit viel Idealismus, aber ohne Geld gegründet worden. Anfang der 1990er-Jahre brauchte sie dringend Kapital, wenn sie überleben wollte. Sie bekam es und zwar überwiegend von ihren Leserinnen und Lesern. Bisher sind rund 8500 Mitglieder in der Genossenschaft. Sie haben Anteile von insgesamt rund acht Millionen Euro gekauft. 14 Jahre nach der Gründung der Verlagsgenossenschaft scheinen ihre Befürworter Recht behalten zu haben. Denn die taz steht mittlerweile wirtschaftlich relativ stabil da.

Noch vor wenigen Jahren war die Gründung einer Genossenschaft rechtlich komplizierter als heute, und das Konstrukt taz brauchte zusätzliche Feinjustierung. So wählt die Generalversammlung der Genossenschaftsmitglieder den Aussichtsrat, der den Vorstand bei der Geschäftsführung überwacht, und kann mitbestimmen, was mit den Einlagen passiert: zum Beispiel die Anschaffung eines neuen Redaktionssystems oder der in Kürze anstehende Relaunch der Zeitung. Drei der fünf Vorstände der Verlagsgenossenschaft werden allerdings von den Mitarbeitern der taz bestellt, was ihnen weitgehende Mitbestimmungsrechte einräumt.
„Für die taz lass ich was springen“, der Slogan, mit dem die taz bisher um neue Genossenschaftsmitglieder warb, klingt ein wenig nach Spendenwerbung. Und Rendite im eigentlichen Sinne kann man auch nicht erwarten. „Es geht eher um ideellen Ertrag –in Form einer täglichen taz im Briefkasten, die einem selbst ein Stück weit gehört“, sagt Konny Gellenbeck, Leiterin der taz Verlagsgenossenschaft. „Und nicht zuletzt geht es auch um eine nachhaltigere, bessere Gesellschaft.“ Verantwortungselite sein. Für dauerhafte Werte stehen. Und die positive Ausstrahlung behalten. Darum geht es für Karl Heinz Ruch. Und in 20 Jahren, „wenn es keine Zeitungen mehr geben wird“, so der taz-Geschäftsführer, „wollen wir eine der letzten sein, die dicht machen.“

www.taz.de/zeitung/genossenschaft

aus Aktion Mensch 2.2009


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